Trainer 0, Spieler 1 - Wenn die Spieler es besser machen, als man es sich denkt

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Trainer 0, Spieler 1 - Wenn die Spieler es besser machen, als man es sich denkt
Spieldatum: 
Mittwoch, 1. Juli 2015
Mannschaft: 
E2
Heimmannschaft: 
FC Tiengen 08 E2
Gastmannschaft: 
ESV Waldshut D-Juniorinnen
Spielbericht: 

Die Ausgangssituation war interessant. Denn die D-Juniorinnen, im Schnitt immerhin zwei Jahre älter als die E2, waren in ihrer Staffel gerade Vizemeister geworden. Die E2 war zwar Staffelsieger geworden, aber hatte noch nie ein Spiel auf dem D-Jugend-Feld bestritten. Und so gingen irgendwie alle Beteiligten davon aus, dass die E2 eher eine dicke Packung bekommen würde. Das durchaus zurecht, denn lästern über Fußballerinnen geht nicht. Da musste Respekt hergestellt werden.

Kurz vor dem Spiel stellte sich aber heraus, dass die Juniorinnen selber noch nie auf dem verkürzten Großfeld gespielt hatten und Abseits- und Rückpassregel selber zum ersten Mal anwenden mussten. Ein vermeintlicher Vorteil war also eher egalisiert worden. Der körperliche Vorteil sollte aber sichtbar werden.

Aber Erwin Stoll, der Trainer der D-Juniorinnen hatte mehrfach gesagt, dass er von einer spannenden Partie, vielleicht sogar von einem Übergewicht der E-Junioren ausgehen würde. Das klang nach tief stapeln. Aber er sollte recht behalten. Es wurde eine spannende Partie.

Aufgrund der Hitze von über 30 Grad wurde erst einmal vereinbart aus zwei Spielhälften drei Drittel zu machen. Frank Hesse, Jugendleiter beim FC, leitete die Partie und hatte durchaus sich noch die Frage gestellt, wie oft er wohl Abseits würde pfeifen müssen. Aber erstaunlicherweise waren es am Ende gerade einmal eine Handvoll Pfiffe dieser Art. Und erstaunlicherweise entwickelte sich eine sehr muntere Partie, in der beide Mannschaften auf ähnlichem Niveau spielten. Wobei die E2 eher kämpferisch agierte und die Spielkultur manchmal vermissen ließ und die D-Juniorinnen eher mit spielerischen Mitteln zu glänzen wussten.

In der 3. Minute gelang Christian Nissan dann zur Überraschung aller das 1:0 nach einem schön anzusehenden Solo. Danach passierte auf beiden Seiten bis zur ersten Pause zwischen den Dritteln nicht viel. Ein, zwei Chancen waren da, aber sie waren nicht unbedingt zwingend. Unterdessen begriffen die Jungs der E2, dass sie es nicht einfach haben würden. Bemerkungen wie „Gegen Mädchen dürfen wir nicht verlieren, das wäre ja peinlich“ waren an der Außenlinie zu hören.

Im dritten Drittel fiel nach einem schön geführten Angriff der E2 und etwas Durcheinander im Strafraum in der 28. Minute das 2:0 durch ein Eigentor, nachdem eine Spielerin vom ESV angeschossen wurde. Die Führung war aber durchaus schmeichelhaft zu nennen, denn die E2 war spielerisch einige Male im zweiten Drittel in Nöte geraten. Mit ein wenig Glück hätten die Juniorinnen ein paar Tore schießen können. Aber Torhüter Gianluca Reale war ebenfalls gut aufgelegt und hielt die Null zunächst weiter fest. Wenn er auch ab und zu, wenn nichts zu tun war, eher ein paar Blümchen im Tor suchte.

Im dritten Drittel kam die Experimentierfreudigkeit bei Bernd Glasstetter mal wieder auf und die Aufstellung wurde radikal umgestrickt. Spieler, die sonst eher nicht in die Abwehr passen wurden hinten aufgestellt und umgekehrt. Das Spiel änderte sich dadurch und es kam zu mehr Fehlern im Zuspiel. Einmal mehr zeigte sich, warum die Spieler der E2 sonst in einer bestimmten Aufstellung spielen. Diesem Umstand und einiger sehr gelungener Angriffe der Juniorinnen geschuldet fielen in der 44. und in der 47. Minute das 2:1 und das 2:2.

Trainer Bernd Glasstetter wollte die E2 dann aber doch nicht zu sehr ins Messer laufen lassen und stellte die normale „Schlachtordnung“ wieder her. In der 53. Minute konnte Uwn Ullah nach einer Ecke und etwas Gestochere die Führung wieder mit dem 3:2 herstellen. In der 54. Minute waren es dann wieder die Juniorinnen, die sehenswert das 3:3 erzielten.

Am Ende blieb es dann bei diesem Ergebnis, das vermutlich das beste Ergebnis für ein Freundschaftsspiel darstellte. Spielerisch konnten die D-Juniorinnen des ESV überzeugen. Kämpferisch wiederum die E2. Und Trainer Bernd Glasstetter kann zumindest guter Hoffnung sein, dass die neue D-Saison kein komplettes Desaster werden wird. Die Abseitsregel scheint von den meisten verstanden worden zu sein.

Und auch wenn das primäre Ziel - ein Denkzettel - verfehlt wurde: Das Spiel hat sich gelohnt. Denn die Jungs haben nun gesehen, dass die Mädchen Fußball spielen können. Es dürfte eine Lektion in Respekt gewesen sein, aber keine in Demut.

Nach dem Spiel durften beide Mannschaften dann noch im Strafstoß-Schießen gegeneinander antreten. Hier konnte man dann hören, dass die Juniorinnen Respekt vor den Schüssen der E2 hatten. Aber auch hier kam es am Ende zu einem 5:5 Unentschieden. Wobei sich Torhüter Gianluca Reale als Strafstoßkiller auszeichnen konnte, denn er hielt zwei Strafstöße. Die Jungs hingegen verschossen hier durchaus mit Hybris ausgestattet einige Strafstöße. Das war am Ende wohl ganz gut so.

Was auch noch schön anzusehen war: Es gab nur ganz wenige Fouls in diesem Spiel, das insgesamt sehr, sehr fair war. Hier war der gegenseitige Respekt dann auch zu sehen.

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